Diese Seite enthält einen oder mehrere Anträge, welche dem Landesverband zur Diskussion und Abstimmung vorgelegt wurden. Solange darüber nicht demokratisch entschieden wurde, handelt es sich nicht um offizielle Beschlüsse der Jungen Liberalen Baden-Württemberg.
Antragsteller: KV Region Freiburg
Antragshistorie:
Die Jungen Liberalen Baden-Württemberg fordern die Abschaffung der Trägerschaft der Sportfördergruppen von Polizei, Zoll und Bundeswehr und eine Umwidmung der Mittel hin zu Sporthilfe, Leistungszentren und Olympiastützpunkten.
Außerdem fordern die Jungen Liberalen, dass diesen Berufssportlern auch außerhalb des Jugendbereichs durch entsprechende Ausbildungsangebote eine bessere berufliche Perspektive für die Zeit nach dem Sport gegeben wird.
Begründung:
Die Jungen Liberalen sind sich bewusst, dass es derzeit im nationalen Interesse liegt, staatlicherseits den Spitzensport zu fördern, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können. Zudem sind erfolgreiche Spitzensportler Vorbilder, für den Breitensport und Nachwuchsförderung. Deshalb ist es auch dann, wenn man dem nationalen Prestigewettkampf um Medaillenspiegelwertungen kritisch gegenübersteht sinnvoll, Spitzensport in Deutschland mit ca. 250 Mio. Euro pro Jahr zu fördern. Denn sonst könnten gerade in sogenannten „Randsportarten“, die abseits des Interesses von Öffentlichkeit und Sponsoren liegen, aber auch in vielen anderen Sportarten, bei denen nur einige wenige zu Spitzenverdienern werden, nicht genug Nachwuchstalente herangebildet werden. Hochleistungssport darf nicht wie früher ein reines „Gentlemen“-Vergnügen sein, den sich nur wenige betuchte Menschen leisten können.
Andererseits ist es nicht einzusehen, wie einige wenige Sportler quasi verbeamtetet ausgerechnet über die Etats der bewaffneten Kräfte der Bundesrepublik Deutschland üppig gefördert werden, während abseits dieses „Sportbattaillons“ der Rest der Spitzensportler nur für ein paar Monate eine kärgliche Förderung über eine chronisch unterfinanzierte Sporthilfe bekommt.
Militär und ziviler “Sport“ gehören nicht zwangsläufig zusammen, auch wenn in Deutschland in den vergangenen hundert Jahren in Deutschland immer wieder aus scheinbarer Not geborene Zweckbündnisse eingegangen werden. Für eine Verquickung von öffentlichkeitswirksamen Sport und Militär, sei es zur „Wehrertüchtigung“ der Jugend oder zur Öffentlichkeitsarbeit des Militärs und der Polizei gegenüber dem Bürger gibt es für den heutigen Staat keine Daseinsberechtigung mehr. Ebenso ist mit dem Auslaufen der Wehrpflicht ein „Zwischenparken“ von Spitzensportlern in Sportfördergruppen unnötig geworden.
Der Antrag wendet sich nicht dagegen, dass Polizei, Zoll und Bundeswehr „betriebsintern“ zivile oder paramilitärische Sportarten ausüben und sich die jeweiligen Leistungsträger mit Sportlern und Mannschaften anderer Nationen im Rahmen eines betriebssportlicher Wettkämpfe darin messen. Im Gegenteil: Dies kann einer sportpolitischen Zielvorstellung der Völkerverständigung nur nutzen. Nur sollte die reguläre Olympiaförderung in Deutschland nicht zu großen Teilen über die Bundeswehr erfolgen. Denn Deutschlands Sicherheit muss zwar inzwischen am Hindukusch verteidigt werden, nicht aber von Sportlern im Olympiastation.
Stattdessen bietet sich eine massive Aufstockung der Sporthilfe an, deren Förderzeitraum für Spitzensportler entsprechend ausgeweitet werden muss. Sie fördert einerseits bedarfsgerecht, zum anderen sehr viel breiter im Nachwuchsbereich. Außerdem wird sie nicht allein vom Staat, sondern inzwischen auch von privaten Förderern unterstützt, so dass sie sehr viel offener und freier von staatlicher Bevormundung ist. Die Infrastruktur könnte in Olympiastützpunkte und Leistungszentren integriert werden
Wenn der Staat nicht zuletzt auch zur Förderung seines inneren und äußeren Ansehens junge Menschen dazu anhält für ihr Land Spitzenleistungen in Sportarten zu erbringen, die einem keine lukrativen beruflichen Karrieren nach dem Sport ermöglichen, dann muss er auch dafür sorgen, dass diese jungen Menschen eine bessere Perspektive gegeben wird und schon während ihrer Sportlertätigkeit für ausreichend Ausbildung zu sorgen. Dass Sportprofidasein und berufliche Ausbildung sehr wohl parallel ablaufen können, dass zeigen zahlreiche Beispiele privater Initiativen wie z.B. in Fußballschulen von Bundesligavereinen.