Bildung

Für uns als junge Menschen ist Bildungspolitik von essentieller Bedeutung. Qualitativ hochwertige Bildung ist die Grundlage für ein aufgeklärtes Leben in Verantwortung und Selbstbestimmung, sie ist ein zentraler Faktor bei der Ermöglichung von Lebenschancen. Daher ist es uns ein Anliegen, dass der Bildungspolitik auf Landesebene ein deutlich höherer Stellenwert zugemessen wird als bisher.

Die Gesellschaft sollte jedem Menschen unabhängig von seiner Herkunft ermöglichen, eine exzellente Bildung zu genießen, um ihn zu befähigen, aus eigener Kraft und Leistung aufzusteigen. Der Staat investiert derzeit jedoch viel zu wenig in seine jüngsten Bürgerinnen und Bürger.

Unser Bildungssystem soll dabei alle in ihren Begabungen fördern und ihnen eine ganzheitliche Bildung ermöglichen. Wir wollen weltweite Standards für beste Bildung setzen.

Darum setzen wir uns in unserem Wahlprogramm unter anderem für folgende Positionen ein:

KINDER FRÜHER FÖRDERN – VERPFLICHTENDER ORIENTIERUNGSPLAN!

Die frühkindliche Bildung ist zentrale Grundlage für ein späteres selbstbestimmtes und erfülltes Leben. Daher wollen wir Kindertagesstätten striktere Vorgaben machen und die Sprachförderung verbessern. Der Orientierungsplan für Bildung und Erziehung für die Baden-Württembergischen Kindergärten, herausgegeben vom Kultusministerium, gibt einen Rahmen für die in Kindertagesstätten zu erreichende Entwicklung von Kindern bis zur Schulfähigkeit vor. In vielen Kindertageseinrichtungen wird dieser Orientierungsplan nicht eingehalten, da er nicht bindend ist. Das führt dazu, dass viele Kinder nicht adäquat gefördert werden. Deshalb wollen wir den „Orientierungsplan für Kindertageseinrichtungen in Baden-Württemberg“ verbindlich machen. Zur pädagogischen Arbeit in diesen Feldern werden vom Orientierungsplan Impulse und Hilfestellungen für einen förderlichen Umgang mit den Kindern vorgegeben. Diese Impulsfragen wollen wir detaillierter gestalten, um den Erziehern einen konkreten und umsetzbaren Rahmen zur Förderung der Kinder zu geben. Mit der Intensiven Sprachförderung in Kindertagesstätten (ISK) werden jeweils 3-5 Kinder mit besonderem Sprachförderungsbedarf in einer Kleingruppe gezielt und individuell in ihrer Sprachentwicklung unterstützt. Hierfür stehen pro Gruppe 120 Betreuungsstunden im Jahr zur Verfügung, die aus unserer Sicht viel zu knapp bemessen sind. Damit Kindern die notwendige Förderung geboten werden kann, wollen wir diese auf 200 Stunden pro Gruppe anheben. Zur Sicherstellung der Finanzierbarkeit soll sich das Land an den Kosten beteiligen.

BESTE BILDUNG IST INDIVIDUELLE BILDUNG!

Wir befürworten eine verpflichtende Empfehlung für die weiterführende Schule. Durch eine erweiterte Orientierungsphase und regelmäßige Leistungstestangebote soll ein durchlässiges System gewährleistet sein. Eine individuelle und möglichst genaue Empfehlung durch die Lehrerinnen und Lehrer muss sichergestellt sein. Wir stehen außerdem für ein vielgliedriges Schulsystem, um möglichst individuelle Bildung zu erreichen.

INNOVATIONSSCHULEN EINFÜHREN!

Wir Jungen Liberalen stehen dafür, dass jeder unabhängig seiner Herkunft seine Ziele aus eigener Kraft heraus erreichen kann. In Deutschland bestimmt das Elternhaus immer noch den schulischen Erfolg, wie in kaum einem anderen europäischen Land. Baden-Württemberg macht hier keine Ausnahme.

Daher wollen wir allgemeinbildende und berufliche Innovationsschulen einrichten. An den Talentschulen soll exemplarisch erprobt werden, wie die Entkoppelung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg an Schulstandorten mit besonderen Herausforderungen gelingen kann. Die am Schulversuch teilnehmenden Schulen sollen ein besonderes fachliches Förderprofil auf- oder ausbauen. Maßnahmen sehen wir besonders in der Genehmigung von zusätzlichen Stellen, nicht nur für Lehrpersonal, sondern insbesondere auch für Sozialpädagogen. Wir fordern eine Fokussierung auf sprachliche Kompetenzentwicklung, der Stärkung des Selbstkonzepts der Schülerinnen und Schüler, Wertschätzung ihrer Potentiale, welche systematisch in die individuelle Entwicklung einbezogen und genutzt werden. Die relevanten lokalen Ressourcen sowie der Ausbau der Vernetzungsaktivitäten bilden einen Grundstein für die Innovationsschulen. Im Einzugsgebiet der Schule soll diese Vernetzung durch Kooperation mit den Trägern, Grundschulen und den weiterführenden Bildungseinrichtungen stattfinden. Darüber hinaus sollen zielführende Vernetzungsstrukturen mit Schul- und Bildungspartnern sowie ortsansässigen Unternehmen angestrebt und aufgebaut werden. Dieser Schulversuch darf nicht durch defizitäre Ausstattung belastet werden. Die Schulträger müssen sich bei einer Bewerbung verpflichten, in die Ausstattung und Infrastruktur der Schule zu investieren. Das Land soll den Schulträger hierbei finanziell bedarfsorientiert unterstützen.

RUCKSACKPRINZIP EINFÜHREN!

Wir wollen die Schulfinanzierung auf das Bildungsgutscheinsystem (Rucksackprinzip) umstellen. Damit wird eine tatsächliche Konkurrenz zwischen unterschiedlichen Schulkonzepten und -modellen gewährleistet und ermöglicht, dass gute Konzepte belohnt und nicht funktionierende beseitigt werden. Weiterhin sorgen Bildungsgutscheine für eine wirkliche Gleichberechtigung, da jeder Schüler mit demselben Finanzierungspaket ausgestattet wird.

Zudem kann über Bildungsgutscheine auch ein spezieller Förderbedarf des einzelnen Kindes zielgerichtet finanziert werden. Damit diese finanziellen Mittel jedoch auch ihren Zweck erfüllen und nicht in verborgene Taschen fließen, sollen die Bildungseinrichtungen verpflichtet werden, den Einsatz der Gutscheine offenzulegen.

SCHULEN DIGITALISIEREN!

Für das Funktionieren unserer demokratischen Gesellschaft in einem digitalen Lebensumfeld ist es erforderlich, dass nicht nur spezialisierte Fachkräfte sondern auch die breite Bevölkerung über digitale Grundkompetenzen verfügt. Darüber hinaus verlangt die Arbeitswelt der Zukunft, dass junge Menschen bereits frühzeitig an Konzepte der Informatik herangeführt werden. Wir wollen die Schulen mit entsprechenden digitalen Technologien auszustatten und die Lehrer so aus- und weiterzubilden, dass sie den Schülern die Grundvoraussetzungen der digitalen Welt wie Medienkompetenzen, Datenkompetenzen oder den Umgang mit digitalen Systemen beibringen können. Dazu wollen wir zusätzliche Informatik-Lehrer ausbilden.

Wir fordern, dass insbesondere im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht neben fundiertem theoretischen Verständnis auch Methodenkompetenz in der Umsetzung von Algorithmen und Rechenverfahren am Computer stärker als bislang vermittelt wird. Es muss gewährleistet sein,
dass jeder Schüler notwendige technische Mittel für schulische Aufgaben nutzen kann. IT-Lösungen sollen im besten Fall überschulisch entwickelt werden. Wir fordern das Land auf, die Kommunen bei Entwicklung und Betreuung von IT-Systemen an Schulen zu unterstützen Wir wollen entsprechende Finanzmittel für IT-Beauftragte an Schulen in den Landeshaushalt einstellen. Auch der Einsatz von digitalen Lernplattformen muss vom Land in den Lehrplan eingebaut und im Unterricht gefördert werden.

LEHRER SIND KEINE SAISONKRÄFTE!

Die Jungen Liberalen Baden-Württemberg sind überzeugt, dass die saisonale Arbeitslosigkeit der Lehrkräfte während der Sommerferien zu Demotivation im Beruf führt. Darüber hinaus schüren die kurzfristigen Entlassungen Misstrauen in das im Land herrschende System. Dies ist in einem Bundesland, welches die Rolle der Bildung als zukunftsweisend betont, ein unhaltbarer Zustand. Wir wollen daher, dass befristete angestellte Lehrkräfte auch während der Sommerferien in Anstellung belassen.

DUALE AUSBILDUNG STÄRKEN!

Die Duale Ausbildung verknüpft schulische Bildung mit praxisorientiertem Wissen und vermittelt entsprechende Kenntnisse und Fertigkeiten. Das Erfolgsmodell der dualen Ausbildung muss beibehalten werden. Durch eine Modularisierung der Berufsbilder sollen zukünftig flexiblere Ausbildungsgänge angeboten werden können. Dazu soll mehr Flexibilität bei der Ausbildungsdauer möglich sein. Grundsätzlich wenden wir uns gegen einen Zeitgeist, der die Ausbildung als „Bildungsweg zweiter Klasse“ betrachtet. Ausbildung und Studium, wie auch die daraus folgenden Berufe, sind gleichermaßen wertvoll.

Die Haupt- und Werkrealschulen wollen wir zu Beruflichen Realschulen weiterentwickeln, indem ihr berufspraktisches Profil durch eine frühe und enge Anbindung an die beruflichen Schulen gestärkt wird. Die Vorteile einer dualen Ausbildung sollen an den allgemeinbildenden Schulen stärker in den Vordergrund rücken. Durch gesonderte Veranstaltungen, welche in das Fach „Gemeinschaftskunde“ integriert werden, sollte man den Schülern im Bereich Berufs- und Studienorientierung praxisnahe Anschauungen und Erfahrungen vermitteln. Wir wollen möglichst wohnortnahe duale Ausbildungsangebote in der Fläche BadenWürttembergs erhalten, im Bereich der Berufsschulen freiwerdende Mittel dort belassen und daraus zusätzliche Angebote von der Fachgehilfenausbildung über die Gesellenausbildung bis zur Meisterausbildung schaffen.

Die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung ist uns ein zentrales Anliegen. Deshalb wollen wir das Aufstiegs-BAföG zur Förderung beruflicher Fortbildungen wie z. B. den Meister, Fachwirt oder Techniker weiter ausbauen.

KEINE DISKRIMINIERENDEN STUDIENGEBÜHREN!

Damit wir in der Lehre Spitzenqualität erreichen, müssen sich auch Studierende an den Kosten ihrer Ausbildung beteiligen. Diese Studiengebühren müssen aber bestimmte Kriterien erfüllen. Die Studiengebühren werden nur nachgelagert erhoben, um eine soziale Verträglichkeit zu gewähren und die Jugendlichen nicht von der Aufnahme eines Studiums abzuschrecken. Studierende sollen also die Gebühren erst dann entrichten, wenn ihnen durch die Ausübung eines Berufs die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Die Gebühren werden von den Universitäten eigenständig in einem vorgegebenen Rahmen erhoben. Sie verbleibt komplett bei den Universitäten als zusätzliche Einnahme zur Verbesserung der Lehre und der Studienbedingungen. Die Universität erhält vom Land das Recht, Kredite in Höhe der zu erwartenden Studiengebühren zu erheben, um den notwendigen zusätzlichen Mittelzufluss sofort zu gewährleisten. Die von der bisherigen Landesregierung eingeführten diskriminierenden Studiengebühren erfüllen diese Kriterien nicht. Daher sind sie unverzüglich auszusetzen.

GRÜNDEN AN HOCHSCHULEN ERMÖGLICHEN!

An Hochschulen in Baden-Württemberg müssen die Bedingungen zum Gründen tiefgreifend verbessert werden und zum Gründen ermutigen. Eine Hochschule bietet viele Ressourcen wie Labore, Seminarräume und Geräte, die nicht immer vollständig ausgelastet sind und motivierten Studenten daher zur Verfügung gestellt werden können. Jede Hochschule sollte eine zentrale Beratungsstelle anbieten, die über Finanzierungsmöglichkeiten informiert und ein Netzwerk aufbaut, das sie jungen Gründern zur Verfügung stellen kann. So kann ein schneller Austausch zwischen Hochschulen und Wirtschaft geschaffen werden. Geschäftsideen, die sich im Laufe eines Studiums entwickeln, sollten auch sofort umsetzbar sein, was auch durch die Anerkennung von Urlaubssemestern für Gründer unterstützt werden kann.

Universitäre Anlaufstellen für Ausgründungen sind ebenso wünschenswert wie die Einführung von Entrepreneurship-Zertifikaten im Rahmen des Studium Generale.

HÖHERE BILDUNG GIBT ES NICHT ZUM NULLTARIF – MEHR MITTEL FÜR DIE HOCHSCHULEN BEREITSTELLEN.

Die Hochschulen des Landes Baden-Württembergs sind unterfinanziert. Marode Hörsäle, überfüllte Tutorien und Mitarbeiter die über Jahre hinweg mit halbjährlich befristeten Verträgen abgefrühstückt werden, sind Alltag an den meisten Institutionen. Die steigenden Studentenzahlen der letzten Jahre gingen nicht mit proportionalen Erhöhungen der Grundfinanzierung der Hochschulen einher. Deshalb fordern wir die Hochschulgrundfinanzierung in BadenWürttemberg bedarfsgerecht zu erhöhen, sodass die Hochschulen weiterhin qualitativ hochwertige Lehre und Forschung leisten können. Bei baurechtlichen Fragestellungen sollten Universitäten und Hochschulen mehr Rechte bekommen.

Für die Verbesserung der Lehre braucht es eine höhere Finanzierung des akademischen Mittelbaus sowie eine Beibehaltung der Betreuungsverhältnisse an den Hochschulen. Ebenso muss der Sanierungsstau an den Hochschulen abgeschmolzen werden. Darüber hinaus müssen die Mittel der Exzellenzinitative dynamisiert werden um den Universitäten Planungssicherheit zu ermöglichen und nachhaltige Forschungsplanung sicherzustellen. Ebenso muss eine für die Hochschulen tragbare Lösung für die 2021 anstehenden Änderung der Umsatzsteuererhebung gefunden werden. Die höhere Steuerbelastung, die durch die Besteuerung von Leistungen anderer staatseigener Körperschaften, die die Hochschulen in Anspruch nehmen (Kooperationen mit Max-Planck-, Helmholtz und Frauenhoferinstituten oder Universitätskliniken), entsteht muss kurzfristig vollumfänglich vom Land Baden-Württemberg ausgeglichen werden. Langfristig muss eine gemeinsame Lösung mit dem Bund gefunden werden.

DUALES STUDIUM STÄRKEN!

Das Duale Studium ist ein wichtiger Teil unserer Hochschullandschaft. Baden-Württemberg ist mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Vorreiter des Dualen Studiums. Wir Junge Liberale setzen uns dafür ein, dass sich Duale Hochschulen auch künftig frei und autonom entwickeln können, um jederzeit flexibel auf den Markt reagieren und einwirken zu können. Wir setzen uns für die Sicherung der Hochschulautonomie ein. Die Qualitätssicherung der akademischen Praxis- und Theoriephasen ist für uns Junge Liberale alleinige Aufgabe der Hochschulen und des Wissenschaftsministeriums. Wir setzen uns zudem dafür ein, dass Duale Hochschulen ausreichend finanzielle Mittel zur Erfüllung ihrers Nebenauftrags der kooperativen Forschung erhalten.

FORSCHUNG UND LEHRE BLEIBEN FREI! – KEINE ZIVILKLAUSEL

Wir lehnen eine landesweite Zivilklausel für die Hochschulen Baden-Württembergs entschieden ab. Nicht nur wird mit einer Zivilklausel wichtige und innovative Forschung unmöglich gemacht, sie stellt auch eine untragbare Einschränkung der Freiheit von Forschung und Lehre dar. Diese akademische Grundfreiheit muss erhalten und verteidigt werden, sie ist die Grundlage eines pluralistischen und innovativen Hochschullebens.