Doppelt hält NICHT besser: Für eine stärkere Durchlässigkeit unserer Ausbildungssysteme

Die Jungen Liberalen Baden-Württemberg setzen sich für eine stärkere Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Ausbildungssystemen in Deutschland ein.

Für Studierende mit vorheriger Berufsausbildung:

Die Jungen Liberalen Baden-Württemberg setzen sich für die Möglichkeit für Studierende ein, gleichwertige, formell anerkannte Ausbildungsleistungen (z.B. über das Ausbildungszeugnis) pauschal (d.h. ohne Einzelfallprüfung) anrechnen zu lassen. Unser Ziel muss sein, möglichst ganze Studienabschnitte (d.h. Module) pauschal anrechenbar zu machen, sodass diese nicht mehr doppelt studiert, gelernt und geprüft werden müssen.

Die Landesregierung sollte ihren Fokus auf die Förderung dieses Zieles unter Wahrung der Hochschulautonomie setzen. Sie möge daher Ambitionen von Hochschulen in diesem Bereich bekräftigen und finanziell unterstützen.

Darüber hinaus sind auch – speziell auf diese Zielgruppe zugeschnittene – verkürzte Studienprogramme für Studierende mit vorheriger Berufsausbildung aktiv zu fördern.

Für Auszubildende mit begonnenem, aber nicht abgeschlossenen Studium:

Auch soll es entsprechend für Auszubildende stark vereinfacht werden, abgeschlossene Studienabschnitte aus einem abgebrochenen Studium anrechnen lassen zu können. Bereits existierende Programme mit verkürzter Berufsausbildung sollen verstärkt und landesweit ausgeweitet werden.

Bereits vorhandene Möglichkeiten in Ausbildungsbetrieben und an Hochschulen sollen gezielt an alle Studenten, Auszubildende kommuniziert werden. Darüber hinaus soll dies Bestandteil der Berufsberatung werden und durch Informationsveranstaltungen gezielt auch Schülern nahe gebracht werden.

Zur besseren Steuerungsmöglichkeit bezüglich der Durchlässigkeit fordern wir die Landesregierung auf, eine zentrale Stelle einzurichten, welche die Zahl der Studienanfänger mit vorheriger Berufsausbildung und der Auszubildenden mit abgebrochenem Vorstudium erfasst, sowie die angewandte Anrechnungspraxis beaufsichtigt.

Die Gültigkeit dieses Beschlusses ist auf zehn Jahre beschränkt.

Talente entdecken und fördern – Berufsorientierung als Sprungbrett in die Zukunft!

Die Jungen Liberalen Baden-Württemberg sind der Überzeugung, dass in jedem jungen Menschen eine Vielzahl von Talenten steckt. Doch bevor diese gefördert werden können, müssen diese erst einmal entdeckt werden. Hier müssen die Schulen ihre Schüler besser unterstützen als bisher. Die Jungen Liberalen Baden-Württemberg fordern deshalb:

Die Schaffung eines Berufsnetzwerks “Berufsbotschafter” nach Vorbild des Programms “Studienbotschafter” der Landesregierung.

Die Gültigkeit dieses Beschlusses ist auf zehn Jahre beschränkt.

Staying Alive – Bee Gees gehören zur Grundbildung

Wir Jungen Liberalen fordern einen verpflichtenden Erste-Hilfe-Kurs für alle Schülerinnen und Schüler ab der Sekundarstufe 1, sowie Lehrkräfte und weitere Mitarbeiter der Schule, der jährlich wiederholt werden soll. Der heute bestehenden Unsicherheit der meisten Bürger:innen im Umgang mit Reanimation kann so sinnvoll begegnet werden. Denn nur Übung macht den Meister.

Die Gültigkeit dieses Beschlusses ist auf zehn Jahre beschränkt.

Wissenschaft wettbewerbsfähig machen

Die Jungen Liberalen Baden-Württemberg fordern, es den Universitäten und staatlichen Hochschulen zu ermöglichen, anstelle verbeamteter wissenschaftlicher Mitarbeiterstellen (Entgeltgruppen A13-A15) die Position des Lecturers nach anglo-amerikanischem Vorbild einzurichten, dessen Aufgaben primär im Bereich der Lehre liegen. Der Lecturer nimmt seine Aufgaben eigenverantwortlich wahr und seine Stellung ist professurunabhängig. Eine Verbeamtung des Lecturers lehnen wir ab und wollen eine leistungsbezogene Vergütung ermöglichen.

Die Gültigkeit dieses Beschlusses ist auf zehn Jahre beschränkt.

“Wer ist dieser Angelo Merte?”

Die Jungen Liberalen Baden-Württemberg setzen sich für eine Ausweitung der politischen Bildung in Schulen jeglicher Form ein. In Zeiten des aufsteigenden Populismus von rechts und links ist es von elementarer Bedeutung, die Schüler:innen mit der Politik Deutschlands und Europas vertraut zu machen. Ziel hierbei ist es, das Interesse junger Menschen für Politik zu steigern, um eine höhere Partizipation zu schaffen. Leider führt das jetzige System in vielen Punkten nicht zu den gewünschten Effekten und muss deshalb ausgebaut werden. Niedrige Wahlbeteiligungen, überalterte Parteien und jugendarme Parlamente müssender Vergangenheit angehören.

Deshalb fordern wir einen verpflichtenden Gemeinschaftskundeunterricht bis zum Abschluss an allen weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg. In den Abiturprüfungen kann das Fach neben vier Stunden auch mit zwei Stunden in der Woche belegt werden, vorausgesetzt es bleibt verpflichtend. Der Unterricht soll hierbei eigenständig angeboten werden, also unabhängig von Fächerverbünden wie beispielsweise dem “GWG” (Geographie-Wirtschaft-Gemeinschaftskunde).

Selbiges gilt für die Fächer von Real-, Werkreal- und Hauptschulen wie “EWG” (Erdkunde, Wirtschaft, Gemeinschaftskunde) oder “Welt-Zeit-Gesellschaft”, welche ebenfalls als eigenständiges Fach Gemeinschaftskunde angeboten werden sollen. Somit soll auf Haupt- und Werkrealschulen Politik als Wahlpflichtfach, sowie auf Realschulen das Fach Gemeinschaftskunde als schriftliches Abschlussprüfungsangebot belegt werden können.

Inhaltlich soll neben den bereits bestehenden Themen wie der Gesellschaft, dem Aufbau des politischen Systems oder den internationalen Beziehungen der Schwerpunkt verstärkt auf der Teilnahme junger Menschen in der Politik liegen. Wichtige Fragen der politischen Teilhabe sollten mit Abschluss des Schulfaches geklärt sein. Beispiele hierfür wären die Gründung einer Bürgerinitiative, die Kandidatur für politische Ämter, die Anmeldung einer Demonstration, das Engagement in einer Partei oder die Führung einer Debatte. Diesen Inhalt gilt es in den Bildungsplänen aller Schulformen einzubauen. Dementsprechend müssen die Kapazitäten an fachspezifischem Personal ausgeweitet werden um somit einem Mangel an Lehrkräften entgegenzuwirken.

Die Gültigkeit dieses Beschlusses ist auf zehn Jahre beschränkt.

Keine Rückzahlungsklauseln für Studierende!

Die Jungen Liberalen Baden-Württemberg sprechen sich ausdrücklich gegen die in Nebenabreden ermöglichten Rückzahlungsklauseln in allen Studienverträgen aus. Wir fordern von allen Stellen, solche geregelten Nebenabreden rückgängig zu machen und dadurch Rückzahlungsklauseln in den Verträgen zwischen Studierenden und den Arbeitgebern bzw. Dienstherrn wieder zu verbieten.

Die Gültigkeit dieses Beschlusses ist auf zehn Jahre beschränkt.

Freies Material für Lehrkräfte – Open Educational Resources fördern

Die Jungen Liberalen Baden-Württemberg setzen sich für eine landesweite Online-Plattform zur Bereitstellung frei verwendbarer Unterrichtsmaterialien – den sogenannten Open Educational Ressources (OER) – ein.

Zu diesem Portal erhält jede Lehrkraft an einer Grundschule, weiterführenden Schule oder Berufsschule einen Zugang. Mit diesem kann auf unterschiedliche Medien aus dem jeweiligen Fachbereich per Download zugegriffen, diese Inhalte dann verändert und zur Erstellung individueller Unterrichtsmaterialien verwendet werden.

Für die Bereitstellung der im Internet verfügbaren OER auf der Online-Plattform ist in erster Linie das Kultusministerium zuständig. Zusätzlich sollte es aber auch jeder Lehrkraft möglich sein, im Internet gefundene oder analog vorhandene Inhalte hochzuladen, welche nach einer Lizenzprüfung durch die Plattformbetreiber für alle weiteren Teilnehmer zugänglich sind.

Den Lehrkräften ist es hierbei selbst überlassen, ob sie sich nur der bereitgestellten Inhalte bedienen oder als Content-Produzent eigene Unterrichtskonzepte auf der Plattform mit anderen Lehrkräften teilen. Eine Beurteilung der didaktischen und fachlichen Qualität der produzierten Inhalte erfolgt durch die Mitglieder der Plattform in Form eines internen Bewertungssystems.

Rechtlich unterliegen sämtliche Inhalte der OER-Plattform der Creative-Commons-Lizenz, mit der die jeweiligen Nutzungsrechte der Inhalte durch den Urheber genau definiert werden wie beispielsweise die Nutzung mit Namensnennung oder das Recht zur Weiterverbreitung und/oder Veränderung.

Die Gültigkeit dieses Beschlusses ist auf zehn Jahre beschränkt.

Deutschlandstipendium 2.0 – Förderung ausweiten und Chancengleichheit herstellen

Wir als Junge Liberale Baden-Württemberg bekennen uns grundsätzlich zum bundesweiten Stipendienprogramm nach dem Stipendienprogrammgesetz (Deutschlandstipendium) als Instrumentarium zur engeren Verzahnung von Wirtschaft, Hochschulen und Studierenden, das Anreize zu akademischen Leistungen und gesellschaftlichem Engagement setzt.

Wir fordern allerdings folgende Reformen:

  1. Um der gegenwärtigen regionalen Chancenungleichheit bei der Bewerbung um ein Deutschlandstipendium entgegenzuwirken, fordern wir die Aufhebung der starren Parität in der Finanzierung durch den Bund und private Stifter sowie eine entsprechende Änderung von § 11 Abs. 2 S. 1 StipG. Stattdessen schlagen wir flexible Anteile der Beteiligung des Bundes vor, die sich an den Standortfaktoren der jeweiligen Hochschule orientieren und insbesondere Unterschiede in der regionalen Wirtschaftskraft berücksichtigen. Durch höhere staatliche Förderanteile in wirtschaftsschwachen Regionen wird gewährleistet, dass Hochschulen trotz geringer Förderzusagen durch private Mittelgeber einen angemessenen Anteil ihrer Studierenden fördern können. Dies leistet einen wichtigen Beitrag zur Schaffung deutschlandweit vergleichbarer Studienbedingungen und erhöht die Förderneigung von Unternehmen, welche zur Förderung von Studierenden an Hochschulen in strukturschwachen Regionen weniger finanzielle Mittel als bislang aufbringen müssen.
  2. Wir fordern die Streichung von § 11 Abs. 3 S. 3 StipG. Dieser sieht eine Obergrenze der Zweckbindung privater Mittel für bestimmte Fachrichtungen oder Studiengänge von zwei Dritteln der von den Hochschulen pro Kalenderjahr neu bewilligten Stipendien vor. Diese Obergrenze führt dazu, dass zugesagte private Fördergelder teilweise nicht abgerufen werden können und schränkt damit die Hochschulen in der Vergabe von Stipendien ein. Die Auswahl der Stipendiaten soll weiterhin alleinige Kompetenz der jeweiligen Hochschule bleiben.
  3. Um die in § 11 Abs. 4 StipG festgelegte Höchstgrenze der Förderung von acht Prozent der Studierenden einer Hochschule auch nur annähernd erreichen zu können, fordern wir eine Werbe- und Informationskampagne über das Deutschlandstipendium mit dem Ziel, alle potentiellen Stipendiaten auf das Stipendium hinzuweisen und Unternehmen über die Möglichkeit der Förderung von Talenten und Vernetzung mit Studierenden zu informieren. Dazu muss der Bund die Hochschulen mit den zur Akquise privater Fördermittel nötigen finanziellen Mitteln ausstatten. Hierzu fordern wir eine Flexibilisierung der durch den Bund getragenen Höhe der sonstigen Zweckausgaben der Hochschulen im obigen Sinne und eine entsprechende Änderung von § 11 Abs. 2 S. 2 StipG. Zudem sollen die Hochschulen zukünftig Studierende bereits bei der Immatrikulation und erneut bei der Rückmeldung zu den Folgesemestern auf die Fördermöglichkeiten durch das Stipendium hinweisen. Die zur Hochschulreife führenden Schulen sollen während des letzten Schuljahres über das Deutschlandstipendium informieren, z.B. im Rahmen von Studieninformationstagen.
  4. Die Hochschulen werden dazu aufgerufen, die Transparenz ihres Auswahlverfahrens zu erhöhen. Hierzu sollen diese bei der Ausschreibung der Stipendien bekannt geben, welche Kriterien bei der Auswahl der Stipendiaten angewendet werden. Dazu ist § 1 StipV entsprechend zu erweitern.

Die Gültigkeit dieses Beschlusses wird auf zehn Jahre befristet.

Werte statt Freistunde – Ethik ab der 1. Klasse

Die Jungen Liberalen Baden-Württemberg fordern die Einführung des Ethikunterrichts ab der 1. Klasse. Der Ethikunterricht soll nicht eine konfessionell gebundene, sondern eine weltanschaulich neutrale Alternative zum konfessionellen Religionsunterricht darstellen.

Ziele des Ethikunterrichts sollen die von dem Kultusministerium ausgegebenen Lernziele für die Grundschule sein. Im Vordergrund stehen dabei die Auseinandersetzung mit Grundfragen des menschlichen Zusammenlebens und die Anbahnung von Werteorientierung.

Mit dem Ethikunterricht sollte von Anbeginn an ein alternatives Angebot des Wertediskurses für Schülerinnen und Schüler bereitstehen, die nicht an einem konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen wollen oder keiner katholischen oder protestantischen Konfession angehören.

Die Gültigkeit dieses Beschlusses ist unbegrenzt.

Freiheit vom Schulgeld für Gesundheitsfachberufe

Ein Auszubildender an einer privaten Berufsschule für Physiotherapie, Logopädie oder Ergotherapie  zahlt in Deutschland bisher während der gesamten Ausbildung insgesamt 15.000 bis 25.000 Euro Schulgeld.

Sehr häufig kommt es dazu, dass die Absolventen mit Schulden von bis zu 20.000 Euro und mehr in das Berufsleben starten. Dies stellt ein Hindernis dar, eine solche Ausbildung anzufangen und zu beenden. Viele Schüler geben bereits während der Ausbildung resigniert auf. Die Folge ist ein Fachkräftemangel, der dazu führt, dass offene Stellen teilweise über 100 Tage vakant sind.

Wir fordern die Landesregierung und die Bundesregierung auf, das Schulgeld für Auszubildende der Gesundheitsfachberufe flächendeckend abzuschaffen.