Die besten Lehrer für unsere Kinder


6-Punkte-Programm zur Qualitäts- und Attraktivitätssteigerung des Lehrerberufs

Unsere Lehrer sind die Träger unseres Bildungssystems. Mit ihnen, mit ihren Fähigkeiten und mit ihren Leistungen steht und fällt die Bildung, die wir unseren Kindern, den zukünftigen Leistungsträgern unserer Gesellschaft zukommen lassen wollen. Vor dem Hintergrund einer Pensionierungswelle an den Schulen, die voraussichtlich erst im Jahr 2008 ihren Höhepunkt erreicht, und aufgrund des immer größer werdenden Bedarfs an Lehrern, haben sich die JuLis Baden-Württemberg entschlossen, auf eine Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs und der dazugehörigen Lehrerausbildung hinzuarbeiten und dadurch einen hohen Qualitätsstandard des baden-württembergischen Schulunterrichts zu sichern. Denn die Lehrer von heute legen wesentliche geistige und praktische Grundlagen der Generationen von morgen.

Die JuLis Baden-Württemberg fordert deshalb:

  • Die Lehrerausbildung muss grundlegend reformiert und das erste Staatsexamen abgeschafft werden. Das Referendariat und das bisherige zweite Staatsexamen im Anschluss an das Referendariat bleiben erhalten. Die Gestaltung der Studienpläne und Prüfungsordnungen für die Lehramtsstudiengänge soll Sache der Hochschulen werden, damit sich nach und nach im Wettbewerb der Hochschulen Alternativen herausbilden. Mit dem Hochschulabschluss bewerben sich die Interessenten für den Lehrerberuf um einen Referendariatsplatz. Das Kultusministerium informiert über die Studienabschlüsse, die für einen Lehrerberuf qualifizieren; hierbei ist jedoch darauf zu achten, dass die Palette der in Frage kommenden Abschlüsse möglichst breit und offen gehalten ist.
    Voraussetzung für die Bewerbung um einen Referendariatsplatz an einem Gymnasium oder an einer beruflichen Schule ist neben dem fachwissenschaftlichen Abschluss ein Pädagogikum. Dieses Pädagogikum ist der Nachweis theoretischer und praktischer Kenntnisse im Bereich Pädagogik. Der Schwerpunkt sollte dabei ausdrücklich auf den praktisch erworbenen Kenntnissen liegen, weshalb ein halbjähriges Schulpraktikum, das später auf die Referendariatszeit angerechnet wird, für den Erwerb des Pädagogikums Pflicht ist. Letzte Voraussetzung für das Pädagogikum ist eine Prüfung, so dass hierdurch auch eine eigenständige, auch in anderen Berufszweigen verwertbare Qualifikation geschaffen ist. Die Abschaffung des ersten Staatsexamens verbessert auch die Möglichkeiten eines Quereinstiegs. Schließlich ist es zu begrüßen, wenn sich z.B. ein Diplom-Biologe nach einigen Jahren in der Wirtschaft für den Lehrerberuf entscheidet. Für Quereinsteiger besteht die Möglichkeit, das Pädagogikum im Rahmen der Referendarsausbildung nachzuholen. So entfällt die Vergleichbarkeitsproblematik bei den Qualifikationen der Quereinsteiger einerseits und der Direkteinsteiger andererseits. Für eine Bewerbung um einen Referendariatsplatz an einer Haupt- oder Realschule ist ein fachwissenschaftlicher Hochschulabschluss, z.B. B.A. und ein Abschluss im Bereich Haupt- und Realschulpädagogik Voraussetzung. Der Studiengang Haupt- und Realschulpädagogik sollte ein halbjähriges Schulpraktikum einschließen, das auf die Referendariatszeit angerechnet wird. Durch diese Modularisierung der Ausbildung erwerben die angehenden Haupt- und Realschullehrer zwei Abschlüsse, die international anerkannt sind und die zeitlich getrennt voneinander erworben werden können. Quereinsteiger mit einem B.A. können ihren Haupt- und Realschulpädagogik-Abschluss auch zu einem späteren Zeitpunkt nachholen; ein entsprechendes Angebot von Abendkursen ist von den Hochschulen zu gewährleisten. Für Grundschullehrer und Sonderschullehrer ist statt des Staatsexamens ein international anerkannter Abschluss im Bereich Grundschul- bzw. Sonderschulpädagogik vorausgesetzt. Vorteile der Abschaffung des ersten Staatsexamens sind eine Entbürokratisierung der Abschlüsse sowie eine sinnvolle Verkürzung der Erstausbildungszeit, denn die Staatsprüfungen nehmen in der Regel sehr viel mehr Zeit in Anspruch als die übrigen Universitätsabschlüsse. Da die Inhalte der übrigen Studiengänge auch jetzt schon oft weitestgehend mit dem Lehramtsstudiengang identisch sind, ist weder eine Niveauabsenkung zu befürchten noch eine Umstellung der Studieninhalte vonnöten. Diejenigen, die sich nicht bereits bei Studienbeginn auf den Lehrerberuf festlegen wollen, gehen dem Lehrerarbeitsmarkt nicht wie bisher verloren; das Reservoir an potentiellen Lehrern vergrößert sich. Hierdurch vergrößert sich für die Schulen die Auswahl an Bewerbern, und die Qualität des Lehrerpersonals erhöht sich. Im Gegensatz zum Staatsexamen handelt es sich bei einem Diplom- oder Masterstudiengang um international anerkannte bzw. bekannte Abschlüsse, was deren Attraktivität steigert. Ein positiver Nebeneffekt der Staatsexamens-Abschaffung ist eine starke Entlastung der Oberschulämter, an denen somit weitere Stellen abgebaut werden können. Bei dieser Behördenverschlankung frei werdende Ressourcen sind für Schaffung zusätzlicher Lehrerstellen zu verwenden.
  • Eine langfristig vorausschauende Kalkulation der in Abhängigkeit von Pensionierungen und Schülerzahlen zu erwartenden Lehrerbedarfs, aufgeschlüsselt nach Fachbereichen und Schularten, muss im Interesse der Bewerber von einer unabhängigen Stelle, am besten der Arbeitsverwaltung, aufgestellt werden. Diese Kalkulation schafft Transparenz und Planbarkeit der Ausbildung bei Lehramtsanwärtern, bei denen zur Zeit oft unnötige Unsicherheit bezüglich der Einstellungschancen nach dem Abschluss ihrer Ausbildung besteht. So kann nun z.B. ein Studierender mit dem Berufsziel Englischlehrer erfahren, dass in 4 Jahren an den beruflichen Gymnasien relativ viele Englischlehrerstellen zu besetzen sind und sich darauf einstellen. Auch aufs Gesamte betrachtet, werden mit diesem Instrument die starken Schwankungen zwischen Lehrermangel und Lehrerschwemme besser ausgeglichen. Als weiteres Instrument des Ausgleichs könnte eine regelmäßige Fortschreibung und Veröffentlichung des Einstellungsbedarfs durch das Kultusministerium dienen. Dies kommt sowohl den Schulen als auch den zukünftigen Lehrern zugute.
  • Eine Imagekampagne soll über die Vorzüge des Lehrerberufs aufklären. Hierzu zählen u.a. die Arbeit mit jungen Menschen, viel Eigenverantwortung und Freiraum bei der Unterrichtsgestaltung sowie ein Arbeitsplatz mit Zukunft, der aufgrund der zeitlichen Berechenbarkeit eine Familienplanung erleichtert.
  • Eine differenziertere Bezahlung, die sich stärker an der Leistung des einzelnen Lehrers orientiert, sowie verbesserte Aufstiegschancen sind Voraussetzung für einen Arbeitsplatz, der im Wettbewerb mit Stellen in der freien Wirtschaft konkurrenzfähig bleibt. Auf diese Weise werden für Lehrer Anreize geschaffen, einen qualitativ hochwertigen Unterricht zu gestalten und das fachliche und didaktische Wissen z.B. durch Fortbildungen zu vertiefen. Eine differenzierte Bezahlung und verbesserte Aufstiegschancen für Lehrer erwarten wir uns vor allem von einer autonomen Schule, welche die eigene Personal- und Budgethoheit besitzt. So wie sich die Schule ihre Lehrer selbst aussuchen kann, können sich die Lehrer an der Schule ihrer Wahl bewerben. Auch die freie Wahlmöglichkeit der Schule steigert die Attraktivität des Lehrerberufs.
  • Die Klassenteiler, d.h. die Höchstgrenzen für die Schülerzahl pro Klasse dürfen nicht erhöht werden. Durch Schaffung neuer Lehrerstellen muss ein ausgewogeneres Lehrer-Schüler-Verhältnis hergestellt werden. Ein hoher Qualitätsstandard des Unterrichts lässt sich in einer zu großen Klasse nicht halten, zudem ist der Unterricht unter diesen Bedingungen für den Lehrer eine große Belastung. Von kleineren Gruppen profitieren sowohl Lehrer als auch Schüler. Eine autonome Schule, die im Wettbewerb mit anderen Schulen steht, wird darauf achten, die Klassen aus Qualitätsgründen so klein wie möglich zu halten. Auch in diesem Fall versprechen wir uns von Schulautonomie eine Steigerung der Unterrichtsqualität und der Attraktivität des Lehrerberufs.
  • Schulsozialarbeit und psychologische Beratung von Schülern müssen an allen Schulen eingerichtet bzw. ausgebaut werden, um dem großen Problem- und Konfliktpotential wirksam zu begegnen und um die Lehrer vor allem an Schulen in sozialen Brennpunkten nachhaltig zu entlasten. Aber auch die Lehrer selbst sollten im pädagogischen Teil ihrer Ausbildung Kenntnisse und Erfahrungen in der Konfliktvermittlung erwerben, damit sie Problemsituationen